This post is also available in: English (Englisch)

Hintergründe und Ziele

Das Ministry of Agriculture and Forests (MoAF) Bhutan (Landwirtschaftsministerium in Bhutan), und das National Organic Programme (NOP) Bhutan (staatliches Bio-Programm), unterstützen die Ausweitung der Biolandwirtschaft in Bhutan. Die Regierung möchte die Verwendung von zukunftsfähigen, alternativen Methoden fördern und die Verwendung schädlicher, chemischer Düngemittel und Pestizide auf Dauer gänzlich abschaffen.

Situation in Bhutan

Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte hat die wirtschaftliche Gesamtlage der Menschen in Bhutan zweifelsohne massgeblich verbessert. Trotzdem sind Bauern und Bäuerinnen in Bhutan auch weiterhin mit vielen Problemen konfrontiert, z.B. mit ihrer fehlenden Anerkennung in der Gesellschaft und den unkontrollierten Wildtiereinfällen auf die Feldfrüchte. Hinzu kommt, dass das harte Leben in der Landwirtschaft, das wenig monetäres Einkommen in Aussicht stellt, zu einer anhaltenden, grossen Landflucht führt. Wie in vielen Regionen der Welt, sehen auch in Bhutan Jugendliche mit einem Mindestmass an Schulbildung, keine Zukunft in der Landwirtschaft und versuchen ihr (meist vergebliches) Glück in der Hauptstadt Thimphu oder im Ausland. Oft besitzen die Jungen auch nicht mehr das tiefe und verwurzelte lokale Wissen (local knowledge/indigenous knowledge) ihrer Eltern- und Grosselterngeneration, da viele schon früh vom Bauernhof weg in Internatschulen geschickt werden um überhaupt die Möglichkeit zu haben Schulen zu besuchen.

Ein weiterer Grund ist die ungleiche infrastrukturielle regionale Entwicklung im Land, wobei der Westen des kleinen Königreichs gegenüber nördlichen, östlichen und südlichen Regionen bevorzugt ist. Viele Dörfer sind auch noch sehr abgelegen und besonders während der Monsunzeit, schwer zugänglich. Die Topographie des Landes verhindert vielerorts den maschinellen Einsatz, was die körperliche Arbeit für die Bauern und Bäuerinnen zusätzlich erschwert. Viele Jungen wollen daher nach Thimphu oder ins Ausland weil sie sich ein besseres Leben erhoffen, im Sinne von regelmässigem Einkommen gegen weniger harter Arbeit und mit vielen Vorteilen in der Stadt. Während nicht wegzuleugnen ist, dass körperliche Arbeit mit dem Landleben verbunden ist, sind die Erwartungen was Wohlstand und Einfachheit des Lebens in der Stadt und im Ausland angehen völlig überzogen, und in der Realität existiert eine hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen in Thimphu.

Während der Ausbildung, aber auch im Job, steht Studenten und Studentinnen, Beamten und Beamtinnen gelegentlich die Möglichkeit offen ihren Horizont auf Studienreisen ins Ausland zu erweitern. Sie lernen andere Lebenskonzepte und Kulturen kennen und erfahren „Exposure“, d.h. sind Neuem ausgesetzt. Solche Möglichkeiten sind den Menschen an der Basis (den grassroots) verschlossen, denn es fehlen ihnen dazu die nötige Zeit, finanzielle Mittel und Netzwerke.

Wie so viele junge Menschen überall, träumen aber auch in Bhutan die Jungen am Land davon ihren Horizont erweitern zu können, zu lernen, und auch einmal im Ausland Erfahrungen zu sammeln. Es gibt unzählige globale Austauschprogramme für StudentInnen, jedoch kaum bis gar nichts für HandwerkerInnen und Menschen in der Landwirtschaft. Wir sind jedoch der Meinung, dass auch Jungbauern- und bäuerinnen sowie HandwerkerInnen in Ausbildung, während ihrer Lernphase von Austauschprogrammen immens profitieren können.

Mit unserem OFEP Programm möchten wir also diese Möglichkeit den Jungbäuerinnen- und Bauern eröffnen.

Ziele

  • Einen Beitrag zur Verringerung der Landflucht in Bhutan leisten
  • Einen Beitrag zur Verringerung der Jugendarbeitslosigkeit leisten, indem (Bio)landwirtschaft als möglicher Beruf gefördert werden soll und aufgezeigt werden soll, warum dieser Bereich zukunftsträchtig sein kann.
  • Unterstützung von Intitiativen die zu einem Umdenken und Aufbrechen der Stereotypen führen, bezüglich der Bewertung von handwerklicher Arbeit und des Bauerntums in Bhutan.
  • Einen Beitrag zur Armutsverringerung leisten, indem der UnternehmerInnengeist stimuliert werden soll, z.B. durch Diversifizierung landwirtschaftlicher Produkte, neuer Produktentwicklung, und dem lokalen Vermarkten von Bioprodukten und „non-timber forest products“.
  • Vernetzung der Jungbäuerinnen mit Schweizer KollegInnen um eine Steigerung des Selbstvertrauens zu fördern
  • Ein Beitrag zur Stärkung der Rolle der Frauen, die traditionell in der bhutanischen, bäuerlichen Ökonomie eine starke Rolle innehatten (“boss of the farm”).

Strategie

Unsere Philosophie beruht auf dem bhutanischen thuenlam Ansatz, der Kooperation und harmonisches Miteinander zum Mittelpunkt hat. Wir gehen davon aus, dass direkter Austausch auch auf der grassroots Ebene stattfinden muss, wobei die wichtige Rolle menschlicher Beziehungen ernstgenommen wird. OFEP zielt auf junge Menschen ab, die ihr Leben gerne der Landwirtschaft widmen- und in ihrem Heimatdorf verbleiben möchten.

Wir möchten kleinformatigen, praktischen und direkten Qualitätsaustausch anbieten indem wir jungen bhutanischen Bauern und Bäuerinnen die Chance bieten ihre KollegInnen in der Schweiz zu treffen. Sie sollen Biolandwirtschaft in der Schweiz kennenlernen, eingebettet in deren konkreten soziokulturellen, regionalen Kontext. Traditionelles Wissen um Biolandwirtschaft wurde in Europa „wiederentdeckt“ und neu eingebettet in das gegenwärtige moderne Leben mit seinen Ansprüchen. Unsere PartnerInnenbauernhöfe sind diversifiziert mit teilweiser Schwerpunktsetzung auf bestimmte Produkte.

Der historische Kontext in der Schweiz im Rahmen dessen die Bio-Bewegung entstand, ist natürlich ein anderer als in Bhutan, und es wird den bhutanischen Bauern und Bäuerinnen überlassen was vom Gelernten umsetzbar im eigenen Land ist. Unsere Erfahrung  der letzten Jahre zeigt, dass die Jungen durchaus vorsichtig formulierte, realistische Ziele anstreben-  im Einklang mit den Voraussetzungen vor Ort und ausgehend von ihren jeweiligen individuellen Talenten, Ressourcen, Interessen und Fähigkeiten. Unsere Annahme, dass gemeinsame Erfahrungen verbinden bestätigt sich auch immer wieder. Wenn junge, interessierte bhutanische Bauern und Bäuerinnen die Möglichkeit haben „über den Tellerrand“ zu schauen, sind auch sie sehr wohl in der Lage diese Erfahrungen in Relation zum eigenen Kontext zu setzen.

Die Grundsätze der Biolandwirtschaft und das Verständnis dessen was eigentlich „bio“ ist, unterscheidet sich in Bhutan und in der Schweiz. Für viele bhutanische Jungbauern und Jungbäuerinnen führt dies zu einem anfänglichen  „Aha“ Erlebnis. Umgekehrt staunen die österreichischen KollegInnen unter welchen Umständen in Bhutan LW betrieben wird, da der Einsatz von Maschienen beschränkt ist. Auch die Einstellung zu Biolebensmittel ist nicht überall diesselbe, was die Vermarktungsstrategien beeinflusst. Die Bauern und Bäuerinnen beider Länder lernen während ihrer Aufenthalte in der Schweiz und Bhutan die tiefere Bedeutung und Lebensumstände sowie Gebräuche und Vorstellungen in der jeweiligen Landwirtschaft kennen. Dieses direkte Vernetzen von Menschen gleicher Berufshintergründe und die Erfahrungen aus erster Hand führen zu geteilten Erfahrungen und starken Verbindungen. Somit werden langfristige und starke länderübergreifende Netzwerke aufgebaut, wobei der Fokus auf Autausch und Lernmöglichkeiten für alle Beteiligten liegt. Im Allgemeinen soll dies auch einen Betirag zur Stärkung der globalen Biobewegung darstellen, mit all ihren Unterschieden und Ähnlichkeiten. Wir schreiben keine Ergebnisse vor, da wir auf die Intuition und Initiative unserer ProjektteilnehmerInnen vertrauen, die selber am Besten wissen was unter den verschiedenen Gegebenheiten und Rahmenbedingungen machbar ist. Geteilte Erfahrungen und harmonische Beziehungen, die Möglichkeit Neues ausprobieren zu können gepaart mit begleitendem, unaufdringlichem Mentoring, entsprechend dem thuenlam Ansatz, sind nach unserem Verständnis das Rezept zum Erfolg.

Rückmeldungen aus Bhutan

Dr. Pema Gyamtsho (derzeitiger Oppositionsführer im Parlament und früherer Landwirtschaftsminister unterstützt unser Programm massgeblich): Letter of Appreciation

Verein Zondhölzli, Emmenbrücke/LU

Partnerbetriebe Schweiz:

Alpine Permakultur Schweibenalp, Brienz/BE
Biohof Obereichi Lanzenhäusern/BE

Partnerinstitution Schweiz:

Bio-Schule Schwand, Münsingen

KandidatInnen 2019

Mrs. Sangay Tshoki, Tang, Bumthang
Mr. Pema Wangmo, Khengrig Namsum Cooperative (KNC), Zhemgang

KandidatInnen 2018

Mr. Sonam Tshering, Pangbisa, Paro
Mr. Ugyen Wangdi, Trashigang


PROJEKT NEWS